Mühlen in Bettenhausen

Schon früh fanden sich die Bewohner von Bettenhausen auf den engen Bereich an der Losse beschränkt. Hier konnte man Initiativen entfalten, hier ein Auskommen finden.

So entstanden sehr früh Mühlen an dem vergleichbar kleinen Flüßchen. Aber reine Mahlmühlen kamen wegen der verhältnismäßig geringen Landwirtschaft auch nicht in jedem Falle in Betracht: man nutzte frühzeitig die Wasserkraft zur Herstellung einer Reihe von Produkten, Produkte, für die die Menschen der Umgebung Verwendung hatten, und das waren vor allem die Bewohner der Stadt Kassel und der Landgraf.

Vor der Reformation lagen die Mühlen noch in der Region von Kaufungen. Danach fanden die Bestrebungen der Bettenhäuser Müller ein Echo beim Landesherrn, ja, ihre Initiativen wurden geradezu befohlen, als gemäß dem in Frankreich entwickelten Merkantilismus die Manufakturen gefördert wurden, damit die Einfuhr wichtiger Dinge entfiel, damit man Devisen sparte, um das Staatssäckel aufzufüllen. Dazu kam die Repräsentation, die Konkurrenz in der Prachtentfaltung bei den Barockfürsten. Der 1679 an der Losse errichtete Kupfer- und Messinghof (auf den Mauern der bereits 1560 eingerichteten Faustmühle), war herrschaftlich: das Kupfer wurde aus dem Richelsdorfer Bergwerk und das Zinn aus Schlesien bezogen. In diesem Messinghof erblickte die Riesengestalt des Herkules unter den wuchtigen Schlägen des Kupferhammers, zumindest in Einzelteilen, hier in Bettenhausen in den Jahren 1713 bis 1717das Licht der Welt. Der Hammer selbst ist im Technik-Museum in der Kasseler Orangerie zu besichtigen.

Folgen wir dem Lauf der Losse, so stoßen wir auf die Papiermühle (auch Eisenhammer), später Rocholl'sche Stockfabrik, dann über den schon erwähnten Messinghof (auch manchmal "Forstmühle" genannt) auf die Drahtmühle (weitere Namen: Herwigsmühle, Faustmühle, unterer Messinghof), die spätere Brotfabrik Möller; dann die alte Lohmühle, später Kadruf. An weiteren längst von der Losse abgezweigten Gräben geht es weiter über die Brückmannsche Mühle (an der Pfarrstraße), über eine Mühle in der Nähe des Dorfplatzes (Imgrundscher Besitz) und der Agatmühle (Agathof), später Diemar und Heller, die Ölmühle und schließlich auf dem heutigen Brauereigelände an der Hafenstraße die Pulvermühle. Noch im 2.Weltkrieg konnte man im Inselweg das Mühlrad der Maschinenfabrik Richter bewundern.

Bearbeitung: Heike Mildner  1996

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